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Torres Str. AUS   -   28. Dezember 2007 - 09. Januar 2008


Sturm im Hafen!
 
Torres Strasse - Australien, 1. Januar 2008 – 9. Januar 2008
 
Strecke: Thursday Island – Cairns (per Frachtschiff)

Den ersten Tag des neuen Jahres verbrachten wir gemütlich auf der Monte Christo, mit spazieren auf der Insel und anschliessendem Schwatz im Pub. Am 2. Januar wussten wir immer noch nicht, wie wir von der Insel wegkamen. Mit der Erwartung das Problem zu lösen, gingen wir zum Büro der Frachtschiffsgesellschaft Endeavour im Hafen. Doch wie schon in den letzten Tagen war niemand dort. So telefonierten wir nach Cairns an den Hauptsitz und kurze Zeit später trafen wir die Ortsvertreterin Rae am Hafen. Der Preis für die dreitägige Schiffsfahrt runter nach Cairns haute uns fast aus den Socken. Ohne uns, dachten wir! – Und wir gingen los um eine andere Variante zu finden.
 
Mittlerweile wollten wir unsere Zeit nützen um an unseren Geschichten für die Webseite zu schreiben. Doch just in diesem Moment lag unser Computer ab. Er zeigte nur noch tolle Fehlermeldungen an. Da keine Hilfe in Sachen Computer auf der Insel vorhanden war und zudem auch das Wetter schlechter und stürmischer wurde, waren wir so langsam am verzweifeln. Wir spazierten unzählige Male über T.I., konnten wegen dem Wetter nicht einmal eine der anderen Inseln besuchen gehen und das einzige Museum drüben auf Horn Island war auch noch geschlossen.
 

Die Hafenbucht von TI

So langsam glaubten wir nicht mehr daran, dass wir jemals die Torres Straits verlassen könnten, denn viele Leute, die wir kennen lernten, waren erst für kurze Zeit hierher gekommen und sind nun seit Jahren immer noch dort. Als dann nur noch alle voller Sorge vom sich in der Nähe befindenden Zyklon Helena  zu sprechen begannen, dachten wir wirklich, dass der Fluch vom „hier-bleiben“ auf uns lastete.
 
Und es kam noch schlimmer. Keith teilte uns im Pub am Nachmittag des 3. Januar mit, dass für die kommende Nacht starker Sturm angesagt war. Er werde selbstverständlich auf seiner Monte Christo bleiben und der Dinge harren, die da kamen.


Ob wir dazu auch bereit wären? Wir waren! Mit ernster Mine verabschiedeten uns die am Stammtisch sitzenden Insulaner. Schon bei der Dinghi Fahrt hinaus zur Monte Christo peitschte uns der Wind wie noch nie ins Gesicht und die Windausläufer des Zyklons Helena wirbelte das Wasser des Meeres auf. Doch noch vor dem Eindunkeln schafften wir es einen Doppelanker zu legen. Früh legten wir uns schlafen, während die Monte Christo hin- und hergeschüttelt wurde.
 
Um 4 Uhr ging Keith erneut an Deck um die Lage zu checken. Sofort bemerkte er, dass der Anker der Monte Christo zwar hielt, doch dass das an einer Boje befestigte orange Boot der Riffpiloten uns gefährlich nahe kam. Der Motor heulte auf, wir schreckten auf und rannten ans Deck. Um einen Zusammenstoss zu verhindern, steuerte Keith die am Anker hängende Monte Christo mit voller Motorenkraft weg vom orangen Motorboot. Der Wind heulte, die Monte Christo ächzte und die Gischt des Wassers spritzte auf unser Deck. Die Szenerie war gespenstisch und die Gefahr nahe. Ein Anker lichten war nicht möglich, denn diese Zeit aufreibende Arbeit, die wir immer noch von Hand erledigten, wäre fatal gewesen. Bis das Schiff frei und voll manövrierfähig gewesen wäre, wären wir wahrscheinlich schon in etwas hinein getrieben worden. So war unsere einzige Chance, die Monte Christo immer wieder vom orangen Motorboot weg zu steuern. Voll konzentriert auf das hinter uns liegende Motorboot, bemerkten wir erst nicht das heran nahen einer weiteren Bedrohung. Ein Segelkatamaran, der einfach so herum trieb, kam uns immer näher und näher. Krass, so einen Sturm hatten wir noch nie erlebt. Normal für uns war der Wind, Regen und die Wellen doch eine Bedrohung durch andere Schiffe war neu!


Wir alle bibberten und beteten, während Keith schon fast seinen nächsten Notfallplan ausführte. Er zog sein Messer und wollte das Befestigungsseil des orangen Riffpilotenbootes kappen gehen, damit dies wegtrieb. Doch dazu kam es nicht. Die aufgehende Sonne brachte eine Beruhigung über das Chaos im Hafen und wir konnten endlich gefahrenlos unseren Anker lichten. Keith steuerte die Monte Christo an einen sicheren Ort, wo am Abend zuvor noch die „San Pietro“ lag. Die jedoch war nicht mehr da. Die 500'000 $ Motorjacht war im Sturm verschwunden!
 
Nach diesem Sturmerlebnis fanden wir es nun wirklich an der Zeit T.I. bald zu verlassen und so gingen wir nach langem Hin und Her das teure Ticket für die Fahrt nach Cairns am 7. Januar mit dem Endeavour Schiff kaufen. Denn noch länger auf dem teuren T.I. zu bleiben, um dann mit dem etwas billigerem Angebot von Seaswift Ende Januar weg zu kommen, wäre am Ende auch nicht günstiger gewesen. Wir fanden dann auch gleich heraus, dass für die Schiffsfahrt zum Festland Australiens noch unser Pino bei der Quarantänenbehörde vorgezeigt werden muss. Denn in Australien hat man nicht nur Angst vor fremdem Käse sondern auch vor dem Dreck der eigenen Inseln. Dies alles zum Schutz des Festlandes, gegen noch nicht vorhandene Krankheiten und Parasiten. Der Mann von der Quarantäne war jedoch mit unserem, deshalb frisch gewaschenen, Pino zufrieden und schmückte es mit einem Reinlichkeitskleber. Es durfte nun das Hafengebäude nicht mehr verlassen.
 
Tags darauf, nach einer weiteren stürmischen Nacht, waren wir gerade am relaxen, als es neben uns gurgelte und Männerstimmen laut wurden. Wir trauten unseren Augen nicht, da tauchte doch ein in Neopren gehüllter Taucher um die Monte Christo herum. Hm, ob der auf Perlenmuschelsuche war? Nein, sie suchten nach dem Betonklotz der Festmacheboje der in der Sturmnacht verschwundenen Motorjacht „San Pietro“. Es wurde uns mitgeteilt, dass wir von unserem Standort weg müssten, da dies der gemietete Platz der teuren „San Pietro“ sei. Nun erfuhren wir auch, dass die Kette der Festmacheboje der „San Pietro“ in der Sturmnacht riss und das teure Boot schlussendlich auf einem weit entfernten Riff aufgelaufen war. Doch zum Glück fanden sie sie dort unversehrt. 
 

Was hiess das für uns und die Monte Christo? Wir zogen den Anker erneut von Hand hoch und liessen ihn an einem anderen Ort in der Hafenbucht wieder runter. Doch ohje, als sich der Anker am Boden fest krallte, waren wir erneut zu Nahe an einem anderen Boot. So zogen wir das Ding noch einmal hoch um die Monte Christo besser zu platzieren. Wir hatten ja auch gar nichts anderes zu tun...
 
Da sich die Wetterlage nicht beruhigen wollte, brachte Keith uns und unser Gepäck schon am Tag bevor wir aufs Frachtschiff gingen an Land. Er wollte nicht riskieren uns aufgrund der Stürme nicht an Land bringen zu können. So kamen wir also nach 60 Nächten auf einem Schiff zu einer ersten Nacht an Land. Rae, die Angestellte von Endeavour, nahm uns für diese Nacht bei sich zuhause auf.

ein Teil unseres Gepäcks bereit um an Land zu bringen
 
Am nächsten Morgen begaben wir uns zum Hafen. Unser vollgepacktes Pino wartete schon seit dem Vortag geduldig. Endlich gegen Mittag holte uns der Koch der „Pacific Discoverer“ ab. Über einen schmalen, steilen Steg trugen wir unser Gepäck aufs Schiff, während das Pino auf einem offenen Schiffscontainer neben dem Schiff warten musste.


Vom Koch wurde uns die Kabine gezeigt und er erklärte uns auch gleich die wichtigsten Regeln auf dem Schiff. Nachdem er uns dann auch noch mit Müh und Not gezeigt hatte, wie man im Notfall die Schwimmweste anzuziehen hatte, stellte er uns den Master vor.
 
Kurz darauf lernten wir den Chef Ingenieur John kennen, der uns mit in seinen lärmigen Maschinenraum mitnahm. Den grossen Motor zu sehen und dessen Vibrationen zu spüren war genial. Auch dass sogar fürs Ruder des Schiffes ein eigener Motor vorhanden ist, war beeindruckend.
 

Ladung fürs Frachtschiff - weit hinten die Monte Christo

Auf der Backbordseite war das Schiff am Quai von T.I. festgemacht und auf der Steuerbordseite war ein anderes Schiff, die „Pacific Navigator“ angedockt. Mit dem Kran unseres Schiffs be- und entlud die Crew unser Schiff in beide Richtungen. Was für ein Unterschied zu unserer kleinen Monte Christo war es auf einem so grossen Schiff zu sein. Der Kran hätte die gute alte Dame von Keith wohl einfach mit aufladen können.
 
Die dreitägige Schiffsreise war eine gemütliche Angelegenheit. Es wurde für uns gekocht, wir mussten keine Segel hissen helfen und keine Nachtwache übernehmen. Auf der Brücke spickte der Master seine Erklärungen zum Schiff mit historischen Begebenheiten entlang der Küste.

 
Am Morgen des 9. Januar 2008 sahen wir schon von weitem die Lichter der Hafenstadt Cairns. Kurz darauf legte unser Schiff an und nach einem erneuten Check der Quarantänebehörde betraten wir zum ersten Mal australisches Festland.